An diesem Fall schockiert nicht nur die Tat, sondern auch das Urteil stößt vielen sauer auf. Wie berichtet, wurde ein erst 13 Jahre altes Mädchen in einem Flugzeug von Wien nach Bulgarien missbraucht. Sie saß in einer Sitzreihe mit ihrer zehnjährigen Stiefschwester und einem 60 Jahre alten Elektriker. Eigentlich hätte dort der Bruder des Mädchens aus Oberösterreich sitzen soll, doch der Mann reklamierte den Platz plötzlich für sich.
Er fuhr, als die 13-Jährige eingeschlafen war, mit seiner Hand unter ihre am Schoß platzierte Weste. Dort strich er ihr über die Oberschenkel und berührte sie im Intimbereich. "Seine Hand war unter der Weste verdeckt, damit es niemand sieht", so die 13-Jährige in der Einvernahme.
Die Eltern saßen in einer anderen Reihe, bekamen vom Vorfall nichts mit. Die Reise der Familie startete bereits um 2 Uhr früh, entsprechend müde waren die Mitglieder während des Flugs, der um 6 Uhr startete.
Als das Mädchen von den Berührungen aufwachte, sprang sie auf und weinte. Auch ihre Schwester wurde Zeuge von dem Vorfall. Nach der Landung wurde der 60-Jährige verhaftet und saß zwölf Tage in Bulgarien im Gefängnis. Nun kam es in Wien zum Prozess vor einem Schöffengericht wegen sexuellen Missbrauchs Unmündiger.
Der Richter war bei der Verhandlung über einen weiteren Umstand schockiert: Noch im Flugzeug steckte der ältere Mann dem Mädchen einen Zettel zu, auf dem seine Telefonnummer und sein Hotel standen. So wurde er auch recht rasch ausgeforscht. Im Saal starrte der Angeklagte auch während des Vorspielens der Videoaufnahme des Opfers wortlos zu Boden.
Ansprechstellen für Betroffene
Telefonseelsorge Österreich: 142
Frauenhelpline: 0800 222 555
Kriseninterventionszentrum Wien: 01/40 69 595
Rat auf Draht: 147
Weisser Ring - Verbrechensopferhilfe: 0800 / 112 112
Die Taten seien "nur schwer nachvollziehbar", so der Richter. Das Mädchen war nach dem Vorfall am Boden zerstört, musste in psychiatrische Behandlung. "Sie hat drei Tage lang nur geweint", berichtete der Stiefvater weiter.
Der Angeklagte bereue seine Tat "zutiefst" und legte ein volles Geständnis ab. Er muss dem Opfer 3.000 Euro Schmerzengeld zahlen und kam mit 15 Monaten bedingter Haft davon, weil er bisher unbescholten war, berichtet die "Kronen Zeitung". Möglich gewesen wären bis zu fünf Jahre Gefängnis.