In Rom hat Papst Franziskus Sonntagmittag den traditionellen Segen "Urbi et orbi" gespendet. Seine Predigt vor Zehntausenden Gläubigen am Petersplatz nutzte das katholische Kirchenoberhaupt für einen Aufruf zu mehr Gerechtigkeit.
Ungeplante Predigt
Aufsehenerregender war, was davor passierte. In einer spontanen Predigt während der Ostermesse rief Franziskus die Gläubigen auf, ihre Hoffnung trotz des Leids auf der Welt nicht zu verlieren. Das Oberhaupt der katholischen Kirche scherte sich nicht um das strenge Protokoll, das keine Predigt während der Ostermesse vorsieht.
"Aber wenn der Herr auferstanden ist, wie können dann diese Dinge passieren?", sagte Franziskus. "Wie kann so viel Unglück geschehen, Krankheiten, Menschenhandel, Kriege, Zerstörung, Verstümmelungen, Vergeltung, Hass, wo ist der Herr?"
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Niemand werde gefragt, ob er glücklich mit dem sei, was auf der Welt passiere. Für vieles gebe es keine Erklärung - auch nicht vom Papst. Man müsse dennoch nach vorne blicken, war seine wichtigste Botschaft. "Dort ist keine Mauer, dort ist der Horizont", sagte Franziskus.
Sicherheitsschleusen am Petersplatz
In einem Brief an den Bischof von Assisi, Domenico Sorrentino, verurteilte der Papst die zunehmende soziale Ungerechtigkeit auf der Welt. Die Kluft zwischen Arm und Reich werde immer tiefer. Franziskus sprach von "globaler Ungerechtigkeit" und warnte vor einer "Wirtschaft, die tötet".
Die Sicherheitsvorkehrungen für die diesjährigen Osterfeierlichkeiten waren enorm. Die Gläubigen mussten sich strengen Kontrollen unterziehen. An allen Eingängen zum Petersplatz waren Sicherheitsschleusen wie auf Flughäfen aufgestellt.
Den Segen spendete der Papst traditionell vom Balkon des Petersdoms aus in Dutzenden Sprachen. Er schloss mit den Worten: "Bitte vergesst nicht, für mich zu beten. Frohes Fest und auf Wiedersehen." (mle)