Fischbestand unverändert

Fischotter-Tötungen sind in Österreich völlig sinnlos

Weitreichende Untersuchungen bestätigten jetzt, was Tierschützer schon lange wissen: Der Fischotter sorgt nicht für weniger Fischbestand.

Heute Tierisch
Fischotter-Tötungen sind in Österreich völlig sinnlos
Der Fischotter in Österreich sorgt keinesfalls für kleinere Fischbestände.
Getty Images

Mit der Begründung, dass der Fischotter für abnehmende Fischbestände verantwortlich sein solle, durften von 2018 bis 2021 ingesamt 52 Tiere in Oberösterreich geschossen werden. Die messbare Erholung der Fischbestände blieb allerdings aus und verringerte sich auch ohne den "bösen" Otter weiter. WWF kritisiert die eindimensionale Abschuss-Politik und fordert eine Renaturierungs-Offensive.

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    Das verwaister Fischotterbaby Toni ist wohl erst zwei bis drei Wochen alt. Laut den Tierschützern wog das Kleine bei der Übernahme nur 328 Gramm.
    Das verwaister Fischotterbaby Toni ist wohl erst zwei bis drei Wochen alt. Laut den Tierschützern wog das Kleine bei der Übernahme nur 328 Gramm.
    Vier Pfoten

    Kein Buh-Otter

    "Mehrere Jahre lang konnten Jäger an bestimmten Flussabschnitten unbegrenzt Fischotter abschießen. Trotzdem haben die Fischbestände an einigen Strecken sogar noch weiter abgenommen. Die Ergebnisse bestätigen frühere Untersuchungen aus Kärnten und dem Burgenland. Die Verantwortlichen müssen endlich erkennen, dass der Fischotter nicht für die massive Abnahme der Fischbestände verantwortlich ist, sondern dass es dafür viele verschiedene Gründe gibt – allen voran die tausenden Wasserkraftwerke, Flussbegradigungen, Uferverbauungen und Querbauwerke, die den natürlichen Lebensraum der Fische dramatisch verändern und zerstören", erklärt WWF-Artenschutzexpertin Christina Wolf-Petre.

    Seit seiner Wiederausbreitung in den 2000er Jahren wird der Fischotter für sinkende Fischbestände verantwortlich gemacht - ohne jeder wissenschaftlichen Grundlage!
    Christina Wolf-Petre

    Auch der Klimawandel sorgt mit höheren Wassertemperaturen für eine schnellere Ausbreitung von Krankheiten, verursacht Sauerstoffmangel und beeinträchtigt Bruterfolge bei vielen Fischarten. Den Rest erledigen Hormone, Antibiotika, Pestizide, Reifenabrieb und Straßenabwässer.

    Der Fischotter wurde in Österreich im 20. Jahrhundert beinahe ausgerottet - nun erholt sich sein Bestand ganz langsam wieder und er konnte sich bis auf Tirol und Vorarlberg wieder ansiedeln. 

    Geschützte Art - trotzdem Abschuss! 

    Aktuell setzt die Hälfte der Landesregierungen auf Tötungs-Verordnungen – obwohl laut FFH-Richtlinie jeder Abschuss einer streng geschützten Art individuell geprüft werden und wissenschaftlich begründet sein müsste.

    "Insgesamt dürfen nach den aktuell gültigen Verordnungen mehr als 200 Fischotter pro Jahr abgeschossen werden. Wie sich das auf die Fisch- und die Fischotterpopulation auswirkt, wird jedoch weder systematisch, noch flächendeckend untersucht", kritisiert Artenschutzexpertin Wolf-Petre. "Die Politik muss endlich aufhören, einseitige Klientelpolitik zu betreiben und den Artenschutz auszuhebeln, sondern stattdessen die Wiederherstellung zerstörter Ökosysteme vorantreiben."

    Der Fischotter ist wichtig!

    Fischotter sind ein zentraler Bestandteil gesunder Ökosysteme. In ihrer Rolle als Top-Prädatoren gestalten sie deren Artenzusammensetzung wesentlich mit. Sie halten naturnahe Fischbestände fit, indem sie kranke, nicht heimische und leicht zu erbeutende Individuen zuerst fangen. Menschliche Eingriffe in naturnahe Ökosysteme und deren Übernutzung haben weitreichende Konsequenzen. Hingegen hält die Behauptung, dass Fischotter Hauptverursacher für die Gefährdung von Fischbeständen seien, keiner wissenschaftlichen Prüfung stand.

    Auf den Punkt gebracht

    • Die Abschusspolitik von Fischottern in Österreich, um den Fischbestand zu schützen, hat sich als nutzlos herausgestellt, da die Fischbestände trotz der tödlichen Maßnahmen weiter abnehmen
    • Der WWF kritisiert diese einseitige Vorgehensweise und fordert stattdessen eine Renaturierungs-Offensive, da der Rückgang der Fischbestände auf verschiedene menschliche Einflüsse wie Wasserkraftwerke, Flussbegradigungen und den Klimawandel zurückzuführen ist
    • Darüber hinaus betonen Experten die wichtige Rolle der Fischotter in gesunden Ökosystemen und dass sie nicht als Hauptverursacher der Gefährdung von Fischbeständen angesehen werden sollten
    red
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