Du wachst morgens auf und kannst dich an keinen einzigen Traum erinnern, trotzdem kann dein Körper in der Nacht ziemlich lange im "Traummodus" gewesen sein. Diese Schlafphase könnte für unsere Gesundheit wichtiger sein, als viele vermuten. Eine neue große Langzeitstudie zeigt: Beim Schlaf zählt offenbar nicht nur, wie lange wir schlafen – sondern auch, wie.
Im Mittelpunkt steht der sogenannte REM-Schlaf. REM steht für "Rapid Eye Movement" und bezeichnet jene Schlafphase, in der besonders lebhafte Träume auftreten können. Forschende aus China analysierten dafür Daten von 95.559 Teilnehmern der britischen UK Biobank. Mehr REM-Schlaf war dabei mit einem niedrigeren Risiko für 83 unterschiedliche Erkrankungen verbunden – darunter Herzschwäche, Demenz, Parkinson und Multiple Sklerose.
Besonders eindrucksvoll sind einzelne Zusammenhänge: Rund 48 Minuten mehr REM-Schlaf gingen in der Analyse mit einem um 46 Prozent niedrigeren Demenzrisiko einher. Bei Alzheimer lag es um 31 Prozent und bei Herzschwäche um 26 Prozent niedriger. Das bedeutet allerdings nicht, dass du einfach 48 Minuten länger träumen musst und damit dein persönliches Krankheitsrisiko entsprechend senkst. Die Studie zeigt statistische Zusammenhänge, keine Ursache und Wirkung.
Nicht nur der Traumschlaf fiel den Forschenden auf. Mehr Tiefschlaf war ebenfalls mit einem geringeren Risiko verbunden – in diesem Fall bei sieben Erkrankungen. Dazu gehörten unter anderem Typ-2-Diabetes, schwere Depressionen, Schlafapnoe und Parkinson. Damit rückt neben der viel diskutierten Schlafdauer auch die sogenannte Schlafarchitektur in den Fokus: Eine Nacht besteht aus verschiedenen Schlafstadien, die sich immer wieder abwechseln.
Und wie lange sollten wir nun schlafen? Auch darauf liefert die Untersuchung Hinweise. Bei 86 Krankheitsbildern fanden die Forscher nichtlineare Zusammenhänge mit der Schlafdauer. Für 69 davon lag die Schlafdauer mit dem niedrigsten statistischen Risiko überwiegend zwischen sechs und acht Stunden pro Nacht.
Besonders ungünstig schnitt sehr kurzer Schlaf ab. Wer weniger als fünf Stunden schlief, zeigte die breitesten negativen Zusammenhänge: Von 41 signifikanten ungünstigen Zusammenhängen verschiedener Schlafdauern entfielen 37 auf diese Gruppe.
Auch ständig wechselnde Nächte könnten relevant sein. Größere Schwankungen der Schlafdauer waren mit einem höheren Risiko für Angststörungen, schwere Depressionen und Bauchschmerzen verbunden. Häufigeres Wachliegen nach dem Einschlafen wiederum war mit sechs Erkrankungen verbunden.
So spannend die Ergebnisse sind, sie haben einen entscheidenden Haken: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Sie kann deshalb nicht beweisen, dass längerer REM-Schlaf Krankheiten verhindert. Denkbar ist beispielsweise auch, dass bereits bestehende oder beginnende gesundheitliche Veränderungen den Schlaf beeinflussen. Die Autoren weisen ausdrücklich auf mögliche verbleibende Störfaktoren und umgekehrte Kausalität hin.