Der 250. Geburtstag des deutschen Malers Caspar David Friedrich (1774 bis 1840) wird mit Ausstellungen in Berlin, Dresden, Greifswald und New York gefeiert. Beseelte Landschaften, in denen einsam wirkende Menschen in weite Landschaften blicken, machten den Künstler weltberühmt.
Walt Disney inspirierten seine Wälder zum Zeichentrickfilm "Bambi", die Nazis stilisierten ihn zum germanischen Nationalkünstler. Heute wird der Maler auch als Umweltapostel und visionärer Klimawandel-Prophet gefeiert.
Orange, Rot, Violett - Friedrichs Himmelsfarben, zu sehen beispielsweise im Gemälde "Frau vor der untergehenden Sonne" galten lange als persönliche Note des Künstlers, bis Historiker einen Vulkanausbruch als Einfluss erkannten: Der indonesische Tambora spukte 1815 Feuer und Schwefel, dies veränderte weltweit die Atmosphäre.
Infolgedessen erlebte Europa ein Jahr ohne Sommer, was zu Missernten und Hungersnöten führte - die Menschen erlebten also eine große und plötzliche Klimaveränderung. Diese könnte mit Friedrichs Gemälde in Verbindung stehen.
2023 versuchten Klima-Aktivisten, Friedrichs "Wanderer über dem Nebelmeer" in der Hamburger Kunsthalle zu überkleben. Die mitgebrachte Collage zeigte die Männerfigur vor apokalyptisch brennenden Wäldern - als Hinweis auf die Auswirkungen der Klimakrise.
Hintergrund der Aufsehen erregenden Aktion: 2022 wüteten Brände in der ostdeutschen Landschaft "Sächsische Schweiz", die der Künstler geliebt hatte. Zu ihrem Protest verstreuten die Vertreter der "Letzten Generation" auch Asche.
Dass Caspar David Friedrich heute wieder so beliebt ist, wird generell gerne mit der Klimakrise erklärt. Das gestiegene Umweltbewusstsein mache Menschen für die sakrale Naturliebe des Künstlers empfänglicher, sagen Experten.
In einem weiteren Meistergemälde, "Das Eismeer", stellt Friedrich die Natur als bedrohlich dar. Die zerstörerischen Eisberge in unwirtlicher Ödnis sollten den Menschen an seine Ohnmacht gemahnen - dies erinnert angesichts frappant an die Gegenwart.
Friedrichs Polar-Gemälde habe eine apokalyptische Doppelbedeutung, es weise sowohl in die Zukunft als auch in die Vergangenheit, so Kunstexperte Holger Liebs. Das Bild biete einen "Wetterbericht des Untergangs: Die Menschen sind fort, zurück bleiben ein paar Holztrümmer, die Reste der Zivilisation und ansonsten die Eiswüste."
Andererseits sei das berühmte Gemälde auch ein "sentimentales Zeugnis der Vergangenheit": Diese - freilich romantisierten - Eisberge hat es einmal gegeben. Heute sind sie im Begriff zu verschwinden.