Ich fühle mich von der Regierung im Stich gelassen: Uljana (17) spricht mit 20 Minuten.
20 Minuten
Sie war das einzige wirklich junge Gesicht in dem Haus, zu dem uns ukrainische Soldaten im russischen Sudscha führten. Deswegen stach Uljana (17) sofort heraus. Rotes Haar, offener Blick, scheu und doch nicht so richtig. Ihr Name bedeutet "Kriegerin" oder "Kämpferin". Es ist fair zu sagen, dass sie dem Ehre macht.
Als ukrainische Truppen Anfang August die Stadt unweit der ukrainisch-russischen Grenze einnahmen, floh der Großteil der Bewohnenden. Uljana aber blieb. "Ich habe schon immer bei meiner Großmutter gelebt und wollte sie nicht zurücklassen", sagt sie. "Zudem haben wir kein Auto und wüssten auch gar nicht, wohin."
Als die Ukrainer dann in die Stadt kamen, hätten sie sich im Keller ihres Hauses versteckt. Jetzt sei das Haus zerstört, russische Bomben hätten es getroffen. "Das weiß ich, weil zu dem Zeitpunkt ukrainische Soldaten Sudscha bereits eingenommen hatten. Die Ukraine würde wohl kaum die eigenen Leute beschießen."
Uljana und ihre Großmutter leben seither in einem von den Besatzern umfunktionierten Schulgebäude. In den Klassenzimmern stehen nun Betten, belegt von zumeist älteren Menschen, die nicht fliehen konnten oder wollten. "Unsere Regierung hat uns hier zurückgelassen", sagt Uljana.
Ihre im gleichen Raum sitzende Großmutter, eine zierliche und energische Dame, widerspricht nicht. Aber sie weiß, dass ihre Enkelin sich mit diesen Aussagen Probleme einhandelt: Kritik an Moskau und ausgerechnet gegenüber westlichen Pressevertretern – in Russland sind Menschen schon wegen weniger ins Gefängnis gekommen.
Die 17-Jährige findet den Krieg falsch, jeder Krieg sei falsch, sagt sie. Noch deutlicher war die Teenagerin vor wenigen Wochen gegenüber italienischen Journalisten von RAI geworden. Diese waren als Erste aus der Ukraine nach Sudscha übergesetzt. Es war das erste Mal, dass Uljana sich mit "Westlern" unterhielt. Ja, sie sei in den Augen ihrer Landsleute eine "Verräterin", sagte sie ihnen und wirkte dabei furchtloser als sie es wohl war.
"Seit wir erzählen, dass die Ukrainer uns nichts angetan haben, werden wir als Verräter beschimpft." Nach Russland zu gehen, sei für sie keine Option, sagte sie den Italienern. "Die Presse wird mich verfolgen, vielleicht sogar der Geheimdienst FSB, ich weiß es nicht." 20 Minuten gegenüber wiederholt Uljana, was sie auch den Italienern sagte: Dass sie mit ihrer Großmutter Russland gerne verlassen wolle.
Unerwartete Nachricht aus Deutschland
Am liebsten würde sie die Schule in der Ukraine beenden und dann nach Europa reisen. "Ich plante, nächstes Jahr zum Studieren nach Europa zu gehen, aber ich wusste nicht wie", sagt sie. "Es wäre einfacher, diesen Plan von der Ukraine aus weiterzuverfolgen als von Russland aus."
Die RAI-Reportage aus Kursk erregte in Russland negative Aufmerksamkeit – und fiel auch Uljanas Vater auf, der in Moskau wohnt. "Er wollte mich zu sich holen, doch meine Großmutter fürchtet dort um meine Sicherheit. Aber hier in Sudscha haben wir keine Zukunft", so Uljana zu 20 Minuten. Zu ihrer Überraschung meldete sich eine Tante des Teenagers.
Die Frau, eine Ukrainerin aus Charkiw, war zu Kriegsbeginn 2022 nach Deutschland geflüchtet. 20 Minuten sprach mit ihr am Telefon. Sie bestätigte, dass sie ihre Nichte gerne zu sich holen wolle. "Gesehen haben wir uns zwar noch nie, auch Kontakt hatten wir bislang keinen. Aber ich kann sie in Sudscha nicht ihrem Schicksal überlassen." Denn dort sei es nicht sicher, sagte die Frau und meinte wohl nicht nur die Kampfhandlungen.
"Deswegen möchte ich dasselbe für sie tun"
Zudem sei sie als alleinerziehende Mutter vor nicht allzu langer Zeit in einer ähnlichen Position gewesen: "Ich wusste nicht, dass ich Verwandte hatte, die sich für mich interessierten. Aber als der Krieg ausbrach, meldeten sie sich und nahmen mich auf. Deswegen möchte und muss ich doch jetzt dasselbe für meine Nichte tun."
Doch in der Ukraine waren die Behörden besorgt, die beiden russischen Staatsbürgerinnen ins Land zu holen. Man könnte sich dem Vorwurf der Verschleppung aussetzen – so wie es Russland seit Kriegsbeginn mit ukrainischen Kindern zu Tausenden getan hat. Der Fall hatte so das Potenzial, zum Politikum zu werden.
Aktivisten, die Menschen aus den russisch besetzten Gebieten bei der Flucht unterstützen, schalteten sich ein – und plötzlich ging alles doch sehr schnell. So erreichte 20 Minuten vor wenigen Tagen die Nachricht, dass Uljana und ihre Großmutter aus Sudscha evakuiert worden seien.
Das zuständige ukrainische Ministerium für Reintegration äußerte sich auf Anfrage nicht zu dem Fall. Auch die Tante in Deutschland hüllt sich seither in Schweigen. Und Uljana? Auf Nachfrage, ob es ihr und ihrer Großmutter gut gehe, kam auf Whatsapp lediglich ein Emoji zurück: das aus Händen geformte Herz.
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