Das hat es noch nie gegeben: Erstmals ist im nächsten Jahr eine ländliche Region "Kulturhauptstadt" Europas: Bad Ischl und das Salzkammergut. 23 Gemeinden (19 aus OÖ, 4 aus der Steiermark) führen 190 Projekte durch, 85 Prozent davon aus der Region.
Eine Delegation aus OÖ um LH Thomas Stelzer (ÖVP) präsentierte das Mega-Projekt nun mit dem Steirischen Landes-Chef Christopher Drexler (ÖVP) vor 450 Gästen im EU-Parlament. Für Stelzer ist die Kulturhauptstadt "von zentraler Bedeutung". Dass man 2019 den Zuschlag bekommen habe, sei "eine Riesen-Freude". "Es ist etwas Historisches", fügt der Landes-Chef hinzu. "Das richtet die internationalen Scheinwerfer auf uns".
Die Region könne sich als "weltoffen", als attraktiver internationaler Standort präsentieren. Das sei auch im Hinblick auf das Anwerben von Fachkräften wichtig, so Stelzer zu "Heute".
Die OÖ-Kulturdirektorin Margot Nazzal sagt zu "Heute": "Das Spannende ist, dass das Projekt eine große Region abdeckt, 23 Gemeinden, 19 davon in Oberösterreich. Das Themenfeld reicht von traditioneller Kultur bis hin zu moderner Kultur." Eröffnung ist am 20. Jänner. "Wir laden alle dazu ein, ins Salzkammergut zu kommen und sich überraschen zu lassen".
Der frühere Bad Ischler Bürgermeister Hannes Heide ist EU-Abgeordneter und Chef des Kulturhaupstadt-Aufsichtsrates. Er sagt: "Das Sterben der Wirtshauskultur ist überall Thema". So auch bei "Bad Ischl 2024". Ein Projekt will zeigen, wie die Wirtshäuser der Zukunft aussehen könnten, wie man junge Menschen in der Region halten kann. Immerhin seien Wirtshäuser wie soziale Medien, ein wichtiger Treffpunkt. Dabei sollen mehrere Top-Köche mit Studierenden erarbeiten, wie die Wirtshäuser der Zukunft funktionieren können, wie man junge Menschen für einen Job in diesem Bereich begeistern könnte.
Heide: "Kulturhauptstadt ist ja kein Kunst- und Kulturfestival, das nach einem Jahr wieder vorbei ist. Und der Kulturbegriff ist ein sehr breiter." Es gehe auch um Bildung, Soziales, Mobilität und beispielsweise wirtschaftliche Entwicklung. Covid habe gezeigt, dass der urbane Raum als Lebensraum durchaus eine Zukunft habe. "Weil es Jobs gibt, wo man vielleicht nur einmal in der Woche in den urbanen Raum fahren muss", so Heide.
Dafür brauche man aber Bildung, Kinderbetreuung, Mobilität. Das könne die Kulturhauptstadt thematisieren. "Früher war das Wirtshaus ein soziales Medium. Da sind die Dinge auf den Tisch gekommen und dann waren sie erledigt". Diese Orte des Miteinanders würden derzeit häufig fehlen.
Die künstlerische Leiterin Elisabeth Schweeger verweist auch auf die traditionell enge Vernetzung Bad Ischls mit dem Rest der Welt: "Das Salzkammergut war schon immer international, es muss sich nur daran erinnern".