Bis es zu den ersten Symptomen kommt, vergehen in der Regel - je nach Erkrankung - ein paar Stunden bis Tage oder Wochen.
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Wenn der Sitznachbar im Zug ohne Ende hustet oder der Freund, mit dem man den gestrigen Abend verbracht hat, jetzt coronapositiv ist, kommt schnell der Gedanke "Wann erwischt es mich?". Vor allem jetzt, wo die Grippesaison in vollem Gange ist, Covid-Infektionen immer noch im Umlauf sind und auch noch Masernausbrüche und Ringelröteln gemeldet werden.
Aber nicht alle Infektionen verbreiten sich so leicht wie andere. Das hängt vom Zusammenspiel verschiedener Faktoren ab, unter anderem davon, wie robust das Immunsystem der infizierten Person ist und von der Inkubationszeit, d. h. der Anzahl der Tage, die vergehen, bis nach einer Infektion mit einem Virus Symptome auftreten. Einer der wichtigsten Faktoren ist jedoch die Reproduktionsrate (oder R-Rate) des Erregers, ein Maß für seine Ansteckungsfähigkeit, die auf der durchschnittlichen Anzahl der von einer Person verursachten Sekundärinfektionen beruht. Eine R-Rate von 1 bedeutet, dass jede infizierte Person im Durchschnitt eine weitere Person ansteckt.
Interessanterweise sind zwei der ansteckendsten Krankheiten überhaupt, nämlich Masern (verursacht durch das Morbillivirus) und Keuchhusten (verursacht durch das Bordetella pertussis-Bakterium), die höchsten R-Raten – 15-20 bzw. 15-17. Das bedeutet, dass eine infizierte Person bis zu 20 andere mit Masern und bis zu 17 mit Keuchhusten anstecken kann. Erreger, die sich gut verbreiten, haben bestimmte Eigenschaften, die ihnen dabei helfen. Das Keuchhusten-Bakterium verursacht zum Beispiel 6 bis zehn 10 lang Husten, um sein Verbreitungspotenzial zu maximieren.
Bei einigen Infektionen (z. B. Erkältung) treten die Symptome bereits wenige Tage nach der Ansteckung auf, während es bei anderen mehrere Wochen dauern kann, bis Symptome auftreten. Masern und Windpocken (verursacht durch das Varizella-Zoster-Virus) haben beispielsweise eine Inkubationszeit von bis zu drei Wochen. Ob eine infizierte Person während der Inkubationszeit ansteckend ist oder nicht, hängt von der Art der Infektion ab.
Die Inkubationszeit beschreibt die Zeit, die zwischen der Infektion mit einem Krankheitserreger und dem Auftreten der ersten Symptome vergeht.
Bei Masern und Windpocken zum Beispiel kann sich die Person nicht bewusst sein, dass sie infiziert ist, und könnte die viralen Tröpfchen wochenlang auf andere übertragen, bevor ihre eigenen Symptome auftreten. Es ist nicht klar, warum manche eine längere Inkubationszeit haben als andere, aber wahrscheinlich, weil sie sich dem Immunsystem entziehen", sagt Ron Eccles, emeritierter Professor und ehemaliger Direktor des Common Cold Centre an der Universität Cardiff gegenüber der "Daily Mail".
Nicht jeder erkrankt trotz Infektion
"Ob Sie sich anstecken oder nicht, hängt von einer Reihe von Faktoren ab, z. B. davon, wie viel von dem Virus die Person, mit der Sie in Kontakt sind, gerade 'ausscheidet', ob Sie sich in einem geschlossenen Raum befinden oder nicht, von der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit der Umgebung (Erkältungsviren überleben z. B. besser in feuchter Umgebung) und ob Sie immun sind, sowie von Ihrem Alter, Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand und Ihren Genen", erklärt Eccles.
In Studien, in denen Menschen unter Laborbedingungen gewöhnlichen Viren wie Erkältungsviren ausgesetzt werden, fangen sich manche Menschen die Viren nicht ein, während andere schwer erkranken. "Das hängt mit der Effizienz unseres Immunsystems und unserer Genetik zusammen. Je immuner man gegen den Erreger ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass man ein guter Wirt für das Virus ist, um sich zu vermehren und auf andere Menschen überzugreifen" – ein Argument für die Impfung: Man schützt nicht nur sich selbst, sondern auch andere", erklärt die Immunologin Sheena Cruickshank von der Universität Manchester.
Im Überblick: So ansteckend sind die häufigsten Infektionen
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Keuchhusten wird durch das Bakterium Bordetella pertussis verursacht und ist hochansteckend. Es befällt die Lunge und Atemwege und verursacht einen Husten, der bis zu 10 Wochen anhalten kann. Die Bakterien sitzen in den Zilienhaaren in der Nase und verbreiten sich durch Niesen und Husten leicht über die Luft. Inkubationszeit sind 5 bis 10 Tage.
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Erkältungsähnliche Symptome treten nach der Inkubationszeit auf. Nach 1-2 Wochen kommt es zum typischen Krankheitsbild mit bellenden, stoß- und krampfartigen Hustenanfällen, teils bis zum Erbrechen. Betroffene sind ab 6 Tagen nach der Ansteckung ansteckend, wenn die erkältungsähnlichen Symptome beginnen, bis 3 Wochen nach Beginn der Hustenanfälle. Es gibt eine Schutzimpfung!
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Masern werden durch das Morbillivirus verursacht und sind höchst ansteckend. Das Virus verbreitet sich leicht über Tröpfchen beim Husten und Niesen, wird über die Luft übertragen und man kann sogar zwei Stunden, nachdem eine infizierte Person den Raum verlassen hat, infiziert werden.
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Bis die ersten (erkältungsähnlichen) Symptome (Husten, Fieber, gerötete Augen) auftreten, kann es zw. 7 bis 18 Tage dauern, im Schnitt 12 Tage. Erst dann zeigt sich der charakteristische Ausschlag. Betroffene können das Virus 4 Tage vor Beginn des Ausschlags bis zu 4 Tage nach Auftreten des Ausschlags ausscheiden und andere infizieren. Wer einmal erkrankt, ist ein Leben lang immun, jedoch können Masern schwerwiegende Komplikationen (Hirnentzündung) auslösen. Impfung ist verfügbar.
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Erkältung und Influenza ("echte" Grippe): Es gibt etwa 200 verschiedener Erkältungsviren und mehr als 60 Grippeviren – die vier Hauptstämme sind A, B, C und D. Die saisonale Grippe wird durch A- und B-Stämme verursacht, die jedes Jahr mutieren. Mit der jährlichen Grippeimpfung kann man sich vor schweren Influenza-Verläufen schützen.
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Erkältungs- und Grippeviren verbreiten sich leicht. Man fängt sich eine Erkältung oder Grippe ein, indem man Partikel des Virus einatmet, oder durch das Berühren von kontaminierten Oberflächen, zb. Türschnallen und anschließendes Berühren von Mund, Nase oder Augen. Inkubationszeit sind 12 Stunden bis 3 Tage nach Ansteckung. Erkrankte sind 1-2 Tage vor und bis zu 14 Tage nach beginn der ersten Symptome ansteckend. In den ersten 3 Tagen nach Beginn der Symptome ist man am ansteckendsten, dann nimmt die Ansteckungsgefahr nach und nach ab.
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Das Norovirus ist ein hochansteckendes Virus, das Brechdurchfall verursacht. Es genügen weniger als 100 Partikel, um krank zu machen. Betroffene scheiden Milliarden über ihren Stuhl und Erbrochenes aus. Da es sich in der Luft befindet, kann man sich durch Einatmen der Partikel infizieren, aber auch durch infizierte Lebensmittel und Wasser sowie kontaminierte Oberflächen.
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Die Inkubationszeit ist in diesem Fall mit nur 12-48 Stunden sehr kurz. Erkrankte sind noch 48 Stunden lang ansteckend, nachdem die Symptome abgeklungen sind. Das Virus mutiert jedes Jahr und einige Stämme sind sehr gut darin, dem Immunsystem zu entkommen, haben höhere Replikationsraten und können besser in Zellen eindringen.
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Covid-19: Das verursachende SARS-CoV-2-Virus kann sich an Zellen im ganzen Körper festsetzen und eine Vielzahl von Symptomen verursachen. Obwohl es sich in erster Linie um eine Infektion der Atemwege handelt, hat dieses Virus die Fähigkeit, sich an Rezeptoren im ganzen Körper anzuheften. Wie viele Viren verbreitet sich Covid leicht über winzige Tröpfchen beim Husten und Niesen – und in geringerem Maße durch Berühren einer infizierten Oberfläche.
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Der Grund dafür, dass sich Covid so effektiv ausbreitete, ist, dass Menschen ansteckend sind, bevor sie Symptome haben. Inkubationszeit sind 2 bis 14 Tage. Wie lange man ansteckend ist, hängt vom individuellen Immunsystem ab und davon, ob man geimpft ist. Manche Menschen sind nach 5 Tagen nicht mehr ansteckend, andere können bis zu 10 Tage lang ansteckend sein. Neue Varianten können sich besser zwischen den Zellen im Körper ausbreiten und unseren Antikörpern besser entgehen.
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Keuchhusten wird durch das Bakterium Bordetella pertussis verursacht und ist hochansteckend. Es befällt die Lunge und Atemwege und verursacht einen Husten, der bis zu 10 Wochen anhalten kann. Die Bakterien sitzen in den Zilienhaaren in der Nase und verbreiten sich durch Niesen und Husten leicht über die Luft. Inkubationszeit sind 5 bis 10 Tage.
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Erkältungsähnliche Symptome treten nach der Inkubationszeit auf. Nach 1-2 Wochen kommt es zum typischen Krankheitsbild mit bellenden, stoß- und krampfartigen Hustenanfällen, teils bis zum Erbrechen. Betroffene sind ab 6 Tagen nach der Ansteckung ansteckend, wenn die erkältungsähnlichen Symptome beginnen, bis 3 Wochen nach Beginn der Hustenanfälle. Es gibt eine Schutzimpfung!
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Masern werden durch das Morbillivirus verursacht und sind höchst ansteckend. Das Virus verbreitet sich leicht über Tröpfchen beim Husten und Niesen, wird über die Luft übertragen und man kann sogar zwei Stunden, nachdem eine infizierte Person den Raum verlassen hat, infiziert werden.
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Bis die ersten (erkältungsähnlichen) Symptome (Husten, Fieber, gerötete Augen) auftreten, kann es zw. 7 bis 18 Tage dauern, im Schnitt 12 Tage. Erst dann zeigt sich der charakteristische Ausschlag. Betroffene können das Virus 4 Tage vor Beginn des Ausschlags bis zu 4 Tage nach Auftreten des Ausschlags ausscheiden und andere infizieren. Wer einmal erkrankt, ist ein Leben lang immun, jedoch können Masern schwerwiegende Komplikationen (Hirnentzündung) auslösen. Impfung ist verfügbar.
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Das passiert bei einer Ansteckung
Die meisten Viren infizieren uns über denselben Mechanismus. Egal, ob sie durch dNase, Mund oder über die Haut eindringen – sie dringen in die Zellen ein und kapern die Maschinerie zur Unterstützung der Replikation. Dann brechen sie aus und wandern umher, um weitere Zellen zu infizieren. In diesem Stadium beginnt das Immunsystem, das Virus zu erkennen. In der ersten Phase setzen die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) Peroxidchemikalien frei, die die Krankheitserreger schädigen können, nach 5 bis zehn 10 Tagen beginnen sie, spezifische Antikörper gegen das Virus zu produzieren, die den Körper von der Infektion befreien. Diese Reaktion führt zu ersten Symptomen wie Schüttelfrost und Hitzegefühl – Anzeichen dafür, dass der Körper versucht, die Infektion zu bekämpfen.