Niederösterreich

Darum wollten Flüchtlinge aus "Kaff" nur schnell weg

16 ukrainische Flüchtlinge wurden nach Maria Dreieichen zu Wirtin Alex Turek gebracht. Obwohl sie nicht wollten, mussten die Flüchtlinge dort bleiben.
Heute Redaktion
20.03.2022, 21:44

Schwieriger Start in ein neues Leben für 16 Flüchtlinge aus der Ukraine: Am Freitag war der Bus aus dem Erstlager Wiener Neustadt weggefahren, fuhr dann über Baden nach Maria Dreieichen (Horn). Wirtin Alexandra Turek über den holprigen Start: "Eine junge Frau wollte gar nicht rein. Für sie schien es undenkbar, hier zu bleiben." Sie und eine weitere, junge Frau dürften auch die Wortführer gewesen sein.

Keine Infrastruktur

Denn in Maria Dreieichen gebe es keine Infrastruktur, kein Spital, keine Schulen und keine Jobs. In ihrer Not holte Alexandra Turek ihre ukrainische Freundin Olga, die als Übersetzerin fungierte. Nachdem die Empfangs-Schnitzerl noch verputzt worden waren, stiegen die Flüchtlinge wieder in den Bus, Chauffeur Mario wollte sie zurück nach Wr. Neustadt bringen.

Nur, auf Höhe Wien kam der Anruf mit der fixen Weisung, dass die Flüchtlinge in Maria Dreieichen bleiben müssen - mehr dazu hier. Am Samstag und am Sonntag sah dann die Welt in Maria Dreieichen weit freundlicher aus. Ein Ingenieur aus der Ukraine hatte sich bei dem Wirts-Paar entschuldigt, weder Gastronom Christian Vlasaty noch Alex Turek sind nachtragend.

Der ukrainische Elektroingenieur, der keine Klamotten mit hatte und gut Englisch konnte, wurde neu eingekleidet. Die Flüchtlinge luden das Wirtspaar am Sonntag sogar zum Frühstück ein. Denn neben eigenem Zimmer mit Dusche, WC, Fernseher haben die Ukrainer eine Gemeinschaftsküche. "Es war ein Kulturschock, den ich nachvollziehen kann. Nach dem eisigen Start sind wir jetzt aber guter Dinge", so das Gastro-Pärchen.

Kritik von Dame

Eine ältere Dame, die angeblich selbst Flüchtlinge beherbergt, kritisierte die Wirtin per Mail: "Naja, auf solchen Matratzen würde ich auch nicht schlafen wollen. Das sieht man doch, dass die nicht gut sind." Die Gastronomin nahm es gelassen: "Es ist ein Unterschied, ob ich einen Flüchtling daheim aufnehme oder knapp 20 Flüchtlinge in einem Hotel."

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