Nicht nur in Österreich, sondern auch im Ausland haben mobile oder halbmobile Blitzerstationen, die in Autos verborgen sind, längst Schule gemacht. Ein solches Gerät setzte in den ersten Tagen des neuen Jahres auch die Berliner Polizei ein, um Autofahrern mit überhöhter Geschwindigkeit ein Knöllchen zu verpassen.
Dabei gelang dem Blitzer-Gerät ein besonderer Schnappschuss mit gleich zwei Fahrzeugen. Offenbar näherte sich der Lenker eines Audi zunächst extra mit langsamer Geschwindigkeit dem Blitzer-Fahrzeug, um dort demonstrativ den Mittelfinger auszustrecken – oder wie es die Polizei Berlin in ihrem Tweet formuliert, "um den Kollegen zu zeigen, was er von der Geschwindigkeitskontrolle hält".
Der Lenker rechnete aber wohl beim besten Willen nicht damit, dass just in diesem Moment ein weiteres Auto zu schnell unterwegs war und damit den Blitzer auslöste – auf dem Foto ist die Hand des Mannes denn auch klar erkenntlich zu einem Mittelfinger gestreckt.
"Der [Lenker] rechts bekommt eine OWi (Ordnungswidrigkeit) und der links eine Anzeige wegen Beleidigung", schreibt die Polizei Berlin in ihrem Tweet. Dass auch der linke Lenker bestraft werden soll, stößt bei der X-Community (ehemals Twitter) aber auf Unverständnis – viele argumentieren, dass gar nicht abschließend festgestellt werden könne, an wen der Mittelfinger gerichtet gewesen sei.
"Wirklich sicher Ihre Interpretation? Er könnte die Beifahrerin gemeint haben oder einen Bericht im Radio … Vielleicht doch erst einmal ermitteln", kritisiert die Rechtsanwältin Rita Schulz-Hillenbrand. "Da sitzt ja noch ein potenzielles Stinkefingeropfer im Fahrzeug", meint auch ein anderer User.
Viele stören sich zudem dran, dass sich die Polizei scheinbar mit solchen Bagatellen beschäftigt. "Wenn ihr bei anderen Fällen auch so konsequent und energisch durchgreifen würdet", meint ein User. "Da, wo es leicht ist, greift ihr zu. Bei kriminellen Clans traut ihr euch nicht", übt ein anderer User Kritik. Und einer erlaubt sich zum Abschluss noch einen Witz mit der Position der Fahrzeuge und dem Fakt, dass der Mittelfingerzeiger wegen der Anzeige wohl härter bestraft wird als der Schnellfahrer: "Ist ja klar, dass der Linke wieder mal mehr aufn Deckel bekommt als der Rechte", schreibt der Linke-Politiker Ferat Koçak.