Geheim-Mails
Enthüllt – Vance hasst Polizei, Trump und eigene Partei
Geleakte Mails zeigen Konversationen von J.D. Vance mit seinem transgender Freund. Seine Meinungen könnten seine konservativen Wähler verunsichern.
J.D. Vance gerät abermals in Erklärungsnot. Es war bereits bekannt, dass der kürzlich nominierte Vizepräsidentschaftskandidat seine politischen Meinungen, die er vor acht Jahren in seinem Buch "Hillbilly Elegy" dargelegt hatte, stark geändert hat, um mit Trump aufs Wahlticket zu kommen. Auch frühere Aussagen zu Trump musste er bereits rechtfertigen.
Nun hat auch noch ein ehemaliger Studienkollege an der Yale Law School den E-Mail-Verkehr zwischen ihm und Vance geleaked. In den Konversationen äußerte sich Vance mit Meinungen, die ihn vor allem bei seinen republikanischen Wählern in Bedrängnis führen dürften.
Früher Trump-Gegner, jetzt enger Vertrauter – das ist J.D. Vance
Transfeindlich trotz altem Freund
Vances alter Freund, Sofia Nelson, arbeitet als Pflichtverteidiger in Detroit und ist eine transgender Person. Nelson lehnt das Trump-Vance-Ticket ab, weil die zwei Politiker transfeindlich sind und entschied sich daher, die E-Mails der "New York Times" zukommen zu lassen.
In seinem Buch bezeichnet Vance Nelson als lesbisch und entschuldigte sich per Mail: "Ich hoffe, du verstehst, dass die Beschreibung von einem Ort der Ignoranz kam, als ich angefangen habe zu schreiben. Ich hoffe, du bist nicht beleidigt, aber falls du es bist, tut es mir leid!" Nelson antwortete mit Humor darauf: "Wenn du genderqueer, radikal pragmatisch geschrieben hättest, hätte niemand verstanden, was du meinst."
"Ich hasse die Polizei"
Vances Offenheit gegenüber genderqueeren Personen ist nicht das Einzige, das konservativen Wählern sauer aufstoßen dürfte. 2014, kurz nachdem der 18-jährige Afroamerikaner Michael Brown von einem Polizisten getötet wurde, schrieb Vance: "Ich hasse die Polizei. Wenn ich die Anzahl an negativen Erfahrungen anschaue, die ich in den letzten Jahren mit ihr gemacht habe, kann ich mir nur vorstellen, was ein schwarzer Mann durchmachen muss." Weiterhin unterstütze er den Einsatz von Body Cams und "alles, was die Polizisten zurück zu Dienern und Schützen führen würde, anstatt Kontrolle und Nötigung".
Auch Trump kam nicht gut weg bei Vances Mails. "Ich bin entrüstet über Trumps Rhetorik", schrieb er 2015. "Aber ich denke, Menschen haben immer schon an verrückte Sch****e geglaubt. Und es hat immer Demagogen gegeben, die bereit sind, die Menschen auszubeuten, die an verrückte Sch****e glauben." Vance schien außerdem enttäuscht mit seiner Partei. Denn er schreibt weiter: "Der Unterschied scheint mir zu sein, dass die Republikanische Partei nichts anbietet, was so attraktiv ist wie ein Demagoge."
Sinneswandel wegen Familie
Vances Lager hat auf Anfrage der "New York Times" lediglich darauf verwiesen, dass er seinen Sinneswandel bereits erklärt habe: "Senator Vance schätzt seine Freundschaften mit Menschen aus dem gesamten politischen Spektrum", heißt es in der Erklärung.
Er habe offen darüber gesprochen, dass sich einige seiner Ansichten von vor einem Jahrzehnt zu ändern begannen, nachdem er Vater geworden sei und eine Familie gegründet hatte. Weiter habe er ausführlich erklärt, warum er seine Meinung über Präsident Trump geändert habe, heißt es weiter in der Erklärung.
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Auf den Punkt gebracht
- Der kürzlich nominierte Vizepräsidentschaftskandidat J.D.Vance gerät in Erklärungsnot, nachdem geleakte Mails seine Meinungen zu Polizei, Trump und seiner eigenen Partei enthüllen
- Seine Offenheit gegenüber genderqueeren Personen und seine Kritik an der Polizei könnten seine konservativen Wähler verunsichern
- Vance hat seinen Sinneswandel damit erklärt, dass sich seine Ansichten nach der Gründung einer Familie vor einem Jahrzehnt geändert haben