"Blut ist ein ganz besonderer Saft" hieß es schon in Goethes "Faust" – und er hatte recht. Unser Blut besteht nicht nur aus Blutkörperchen und Blutplättchen, sondern transportiert unzählige Botenstoffe, DNA-Fragmente und Proteine (Eiweiße) durch unseren Körper. Schon länger arbeiten Wissenschaftler daran, anhand von Blutproben – neben den klassischen Blutwerten – auch andere Diagnosen wie Krebs oder Alzheimer diagnostizieren zu können.
Der Fokus richtet sich dabei auf bestimmte Proteine im Blut. In nur einem Blutstropfen sind tausende Proteine, die wichtige Erkenntnisse über das Auftreten möglicher Erkrankungen geben können. Darunter verschiedene Blutkrebsarten wie das Multiple Myelom oder das Non-Hodgkin-Lymphom, aber auch andere Krebsarten, die Lungenkrankheit COPD, Leber- und Nierenerkrankungen, Rheuma oder zystische Fibrose.
Ein neuer Bluttest-Kandidat wurde nun in einer neuen Studie vorgestellt. Dafür wertete das Team um Julia Carrasco-Zanini von der Queen Mary University in London mehr als 2.900 verschiedene Proteine in rund 40.000 zufällig ausgewählten Blutproben der UK Biobank aus. Sie suchten nach Proteinen, die spezifisch mit einer der Krankheiten verknüpft sind, und ob sie ausreichen, um das Auftreten der Krankheit ähnlich gut oder besser vorherzusagen als gängige klinische Methoden.
Das Ergebnis: "Für 163 Krankheiten reichten schon fünf Proteine aus, um genauso gut wie die klinischen Modelle abzuschneiden – ohne dass weitere Gesundheitsinformationen benötigt wurden", berichten Carrasco-Zanini und ihre Kollegen. "Bei 67 häufigen und seltenen Krankheiten verbesserte die Auswertung von 5 bis 20 Blutproteinen die klinischen Modelle signifikant." Dazu gehören unter anderem das Multiple Myelom, das Non-Hodgkin-Lymphom, Erkrankungen des motorischen Nervensystems, Lungenfibrose und krankhafte Erweiterung des Herzmuskels. Bei diesen Erkrankungen war die Aufspür-Rate teilweise doppelt so hoch wie allein mithilfe der gängigen Untersuchungen und Biomarker.
Es gab aber auch Erkrankungen, wo die Proteintests nicht so aussagekräftig waren. Zum Beispiel beim Grauen Star, bakteriellen Infektionen oder Osteoporose (Knochenschwund). "Diese Krankheiten erfordern Proben aus anderen Geweben oder komplett andere Ansätze, um besser vorhergesagt zu werden", erklären Carrasco-Zanini und ihre Kollegen.