Ende der langen Leiden

Aus Fußknochen wird Kiefer: OP-Sensation in Salzburg

Diese komplizierte Operation in Salzburg war eine Weltpremiere. Die junge Patientin (16) kann endlich wieder essen.
Michael Pollak
31.08.2024, 06:15
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Nie zuvor konnte das 16-jährige Mädchen so sehr lachen: "Ich habe nie etwas naschen können, jetzt kann ich aber alles essen und werde auch alles ausprobieren!" Sumayya Dalatmirova stammt aus der abgelegenen Pamir-Region in Tadschikistan, Salzburger Ärzte gaben ihr das Glück zurück.

Ihr bitterer Leidensweg: Ihre Kiefergelenke verknöcherten als Kleinkind, vermutlich wegen einer unbehandelten Infektion. Das Resultat: Sie konnte jahrelang nur flüssig ernährt werden.

Das Mädchen war bereits halb verhungert

Im Alter von sechs Jahren war sie halb verhungert und musste in Deutschland erstmals operiert werden.

Doch der Zustand kehrte zurück. Die Verknöcherung der Kiefergelenke bildete sich erneut. Dann – mittlerweile stark unterernährt – kam das Mädchen 2018 erstmals nach Salzburg. Die Universitätsklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie ist international bekannt für die Expertise für Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalten und Fehlbildungen des Gesichts und Schädels.

Vorstand Professor Alexander Gaggl gilt laut Klinik als Koryphäe. Er war verantwortlich für viele weltweit beachtete Eingriffe. Auch Sumayyas OP gelang, sie konnte jetzt wenigstens mit einem Löffel essen.

Ärzte bauten Kiefer aus Zeh nach

Doch es war nur die erste Etappe zur Genesung. Jetzt, nachdem ihr Wachstum abgeschlossen ist, folgte Anfang August 2024 der finale Eingriff: Gaggl und sein OP-Team entnahmen den linken Mittelfußknochen des zweiten Zehs, durchtrennten diesen in der Mitte und bauten aus den beiden Teilen das linke und rechte Kiefergelenk nach.

Professor Gaggl: "Ehrlich gesagt ist es schon sehr schwer zum Operieren gegangen und hat bis fünf Uhr in der Früh gedauert."

Eigener Knochen wird nicht abgestoßen

Laut Informationen aus der Klinik, wurde bei dieser OP der eigene Knochen verwendet, "weil dieser durchblutet ist und daher nicht abgestoßen wird." Normalerweise würde man für zwei Gelenke zwei Zehen samt Mittelfußknochen entnehmen.

Professor Gaggl entschied sich weltweit erstmals für den schwierigen Weg mit einem Zeh: "Sumayya ist erst 16 Jahre alt und sie hätte wochenlang nicht laufen können." Beim Gehen wird das Fehlen der zweiten linken Zehe keine Probleme bereiten.

Auch eine Prothese lehnten die Experten in Salzburg ab. Professor Gaggl: "Die würde nur 15 Jahre halten. Außerdem gibt es immer das Risiko einer Infektion. Das muss so verheilen, dass Sumayya in ihrer Heimat auf Dauer ohne Probleme leben kann."

Spenden als Unterstützung für Sumayyas Aufenthalt in Österreich:

Kontoinhaber: Gemeinnützige Salzburger Landekliniken GmbH

IBAN: AT14 3400 0122 0441 7408

BIC: RZ00AT2L

Verwendungszweck: Spende Sumayya, DSA10026

Bis Ende September bleibt Sumayya noch in Österreich. Alle Komplikationen und Folgeschäden sollen ausgeschlossen werden, bevor sie zurückkehrt in ihre Heimat. Die verbleibende Zeit nutzt der Teenager als Investition in die Zukunft: "Ich möchte so gut Deutsch lernen, damit ich später einmal hier an der Klinik von Professor Gaggl als Pflegekraft arbeiten kann."

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