"Das ist eine Kriegserklärung"

Aus für Marchfelder Tiefkühl-Gemüse in Supermärkten

Das Marchfeld wird zum Schlachtfeld zwischen dem belgischen TK-Konzern Ardo und den heimischen Bauern. Die ÖVP spricht von einer "Kriegserklärung".
Newsdesk Heute
08.10.2026, 08:48
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Spinat, Erbsen, Karotten und noch vieles mehr bringen rund 500 Landwirte aus dem Marchfeld vom Acker in die Tiefkühlregale der heimischen Supermärkte. Möglich machte das bisher der Tiefkühl-Spezialist Ardo Frost Austria – bald aber ist es damit vorbei. Das wichtige Werk in Groß-Enzersdorf (Bezirk Gänserndorf) wird Ende August 2027 dicht gemacht.

Damit würde ein Großteil des heimischen Tiefkühlgemüses im Handel verschwinden, warnt der Obmann der betroffenen Bäuerinnen und Bauern: "Spinat in jeder Art und Weise würde mit der Zeit verschwinden, genauso wie das Rotkraut. Da gibt es keine zweite Verarbeitungslinie in Österreich." Ardo produziert für Iglo und die Tiefkühl-Eigenmarken von Billa, Hofer und Spar.

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Als Grund nennen die belgischen Inhaber grundlegende wirtschaftliche Probleme am Standort. Energie, Arbeit und Rohstoffe seien in Österreich deutlich teurer als in anderen Regionen Europas. Trotz aller Bemühungen sei es nicht gelungen, das Werk dauerhaft profitabel zu betreiben.

Der letzte Anlauf der Politik inklusive Bundesregierung, das Werk doch noch zu retten, fruchtete nichts. Das Ardo-Management zeigte den Volksvertretern beim Treffen am Mittwoch die kalte Schulter.

"Kaltblütiges Abdrehen"

Laut dem teilnehmenden Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) habe man sogar angeboten, das Werk zu pachten. Doch alle Vorschläge seien abgelehnt worden. "Das ist ein kaltblütiges Abdrehen der österreichischen Gemüseproduktion. Da hat niemand Verständnis. Das ist in Wahrheit eine Kriegserklärung", tobt der Niederösterreicher.

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ebenfalls ÖVP) versucht unterdessen die Eigentümer-Familien direkt zu beackern – postalisch. Das Ardo-Management hielt jedoch postwendend dagegen: das Werk sperrt zu.

Totschnig hat dahingehend einen schwerwiegenden Verdacht: Er wirft dem belgischen Konzern vor, das Ziel zu verfolgen, dass "österreichisches Gemüse raus und belgisches Gemüse reinkommt." Eine Weiterführung des Werkes, egal durch wen, würde einem solchen Ziel zuwiderlaufen.

"Haben keine Chance"

"Von Seiten Ardos wurde null Verständnis für unser Anliegen eingebracht. Ardo hat hier ein Ziel – Österreich raus, Belgien rein – und nimmt uns somit das Werkzeug weg. Wir als Bäuerinnen und Bauern haben so in Zukunft keine Chance Österreich mit österreichischem Tiefkühlgemüse zu beliefern", hält auch Lorenz Mayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer NÖ, unterkühlt fest.

Mayr war ebenfalls Teil der Gespräche und setzt seine letzte Hoffnung in Totschnigs Brief – und dass bei den Eigentümer-Familien "nicht nur die Zahlen zählen". Sollten sich diese erwärmen und das Werk noch ein, zwei, drei Jahre länger betreiben, könnte das der öffentlichen Hand die nötige Zeit zu geben, eine Alternative zu finden.

Trotz der frostigen Aussichten gibt es auch einen Silberstreifen am Horizont: In Groß-Enzersdorf gibt es noch einen zweiten, allerdings deutlich kleineren Tiefkühl-Spezialisten. Dessen Geschäftsführung bekräftigt nun, nach Wegen zu suchen, um Teil einer Lösung zu sein.

Die kompletten Ardo-Kapazitäten könnte dieses Unternehmen aber nicht kompensieren. Selbst eine zeitnahe Ausweitung der Produktionskapazitäten dürfte laut Ö1-Bericht für viele Marchfeld-Bauern zu spät kommen.

red,Akt. 08.10.2026, 18:31, 08.10.2026, 08:48