Jahrhundert-Fund

50 Mio. €: Verschollenes Klimt-Bild bald unterm Hammer

Gustav Klimts "Bildnis Fräulein Lieser" wurde nun in einer Privatsammlung entdeckt. Das Auktionshaus "im Kinsky" bittet am 24.4. zur Versteigerung.

Newsdesk Heute
50 Mio. €: Verschollenes Klimt-Bild bald unterm Hammer
Jahrhundert-Fund: Gustav Klimts "Bildnis Fräulein Lieser" von 1917 ist tauchte in Privatbesitz auf.
Bildarchiv ÖNB Kinsky

Es galt als verschollen, weshalb es nun für umso größere Aufregung sorgt: Gustav Klimts Porträt "Fräulein Lieser" aus 1917 tauchte nun in einer Privatsammlung auf. Das Bild war Kunst-Fans und Forschern bisher nur in schwarzweiß bekannt. Am Donnerstag konnte das Gemälde erstmals in seiner Farbenpracht bewundert werden. Das Auktionshaus "im Kinsky" präsentierte den Jahrhundert-Fund stolz bei einer Pressekonferenz. Die "Sensation" soll am 24. April in Wien im Zuge eines Restitutions-Vergleichs versteigert werden. Erwartet werden für das Kunstwerk aus der letzten Schaffensperiode des Malers 30 bis zu 50 Millionen Euro.

Das wertvolle Porträt befand sich vier Jahrzehnte lang in österreichischem Privatbesitz. In Auftrag gegeben hatte das Bild vor etwas mehr als 100 Jahren die großbürgerliche Wiener Familie Lieser. Es könnte entweder Constance Margerete Lieser, die Tochter des Großindustriellen Adolf Lieser darstellen, wie es in Klimt-Werkkatalogen steht. Möglich ist aber auch, dass es Helene oder ihre Schwester Annie Lieser war, beides Töchter von Justus und Amalie Lieser. Als der Maler am 6. Februar 1918 an den Folgen eines Schlaganfalls starb, ließ er das Gemälde, das in geringen Teilen noch unvollendet war, in seinem Atelier zurück – unsigniert. Das Porträt ging nach seinem Tod an die Familie des Auftraggebers zurück.

Bild hing in 60er Jahren in Wiener Salon

Das einzige bekannte Foto des Bildes wurde bisher im Archiv der Österreichischen Nationalbibliothek verwahrt. Es stammt aus 1925 und wurde wohl im Rahmen einer Klimt-Ausstellung in Wien aufgenommen. Danach verschwand es. Henriette Lieser, eine Erbin der Auftraggeber, wurde deportiert und 1943 in Auschwitz ermordet. Es gibt bisher keinen Nachweis dafür, dass das Bild durch Beschlagnahme, Entziehung oder einen Notverkauf in neue Hände gekommen ist.

Die derzeitige Eigentümerin hatte das Werk vor zwei Jahren von einer Verwandten geerbt, in deren Wohnzimmer es in den 60er Jahren hing. Die Umstände seines Verbleibs nach dem Zweiten Weltkrieg sind jedoch bis heute unklar. Eine Suche nach den Nachfahren der Liesers ist nie aktenkundig geworden. Deshalb gilt es auch als Restitutionsfall.

Vor der Versteigerung in Wien wird "Fräulein Lieser" erst im Ausland in Kooperation mit der Liechtensteiner LGT-Privatbank präsentiert – in deren Niederlassungen in der Schweiz, Deutschland, England und Hongkong. Laut Klimt-Forschung war das "Bildnis Fräulein Lieser" seit seiner Entstehung bisher noch nie öffentlich zu sehen.

Untersuchung von Klimts "Adele Bloch-Baue 2"

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    Diese Rekonstuktion zeigt, wie Gustav Klimt das Werk zunächst geplant hatte.
    Diese Rekonstuktion zeigt, wie Gustav Klimt das Werk zunächst geplant hatte.
    Belvedere, Wien
    red
    Akt.
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