Aus dem All sichtbar

Kohle-Milliardär baut jetzt weltgrößten Ökostrom-Park

Die Mega-Anlage ist größer als Wien und soll 16 Millionen Haushalte mit sauberer Energie versorgen. Für Projektleiter Adani ist das alternativlos.

Roman Palman
Kohle-Milliardär baut jetzt weltgrößten Ökostrom-Park
Erst ein Dreißigstel des Khavda Ökostrom-Parks ist im Betrieb, im Vollausbau sollen 16 Millionen Haushalte versorgt werden.
PUNIT PARANJPE / AFP / picturedesk.com

Auf einer Fläche deutlich größer als ganz Wien wird in einer Salzwüste in Gujarat an der indisch-pakistanischen Grenze das weltgrößte Kraftwerk überhaupt gebaut. Das Mega-Projekt, das aus dem All sichtbar sein wird, soll schon in fünf Jahren Ökostrom für 16 Millionen Haushalte der Region liefern.

Die Ausmaße des Projektes nahe des Orts Khavda sind sogar für den Verantwortlichen überwältigend. "Ich rechne nicht mal mehr nach", sagte Sagar Adani in einem Interview mit CNN vergangene Woche. Im Vollausbau sollen die Photovoltaikmodule so weit reichen, wie das Auge sehen kann – unterbrochen nur von riesigen Windturbinen.

Der 30-Jährige ist der Chef von Adani Green Energy Limited (AGEL) und gleichzeitig der Neffe von Gautam Adani, dem zweitreichsten Mann Asiens. Das Milliardenvermögen des Onkels stammt vor allem aus dem Import von Kohle, inzwischen gehören auch Flug/-häfen, Kraftwerke, Zementwerke und Medienhäuser zum Familienimperium.

20 Milliarden Dollar für Solar- und Windpark

Die lukrativen Geschäfte der Adanis mit schmutziger Energie sollen künftig sauberer werden – 70 Prozent des Gesamtgewinns der Unternehmensgruppe sollen laut "Times of India" in den Ausbau der Erneuerbaren fließen. Alleine 20 Milliarden Dollar sind für den gigantischen Wind- und Solar-Park in Gujarat budgetiert.

Die Mega-Baustelle ist des Ökostrom-Parks in Gujarat bereits auf Satellitenbildern sichtbar.
Die Mega-Baustelle ist des Ökostrom-Parks in Gujarat bereits auf Satellitenbildern sichtbar.
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Um Umweltverträglichkeitsprüfungen, die solche Projekte in Österreich lange verzögern würden, sorgt man sich dort nicht: "Eine Region so weitläufig, eine Region so unbelastet, es gibt keine Wildtiere, keine Vegetation, keine Besiedelung. Für die Nutzung dieses Landes gibt es keine bessere Alternative", konstatiert der 30-jährige Projektleiter. Sowohl jährliche Sonneneinstrahlung als auch eine konstante Brise würden ideale Bedingungen für einen solchen Ökostrom-Park bieten. 

Indien hungert nach Energie

Seit der Jahrtausendwende hat sich der Energieverbrauch Indiens verdoppelt. Noch liegt der Verbrauch der 1,4 Milliarden Einwohner pro Kopf gemessen bei weniger als der Hälfte des weltweiten Schnitts. Die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft des Planeten wird nach Schätzung der Internationalen Energie-Agentur IEA aber schon in den kommenden 30 Jahren alle anderen Nationen überflügelt haben.

Kohle-Milliardär baut weltweit größtes Ökostrom-Kraftwerk in Indien

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    Mitten in einer westindischen Salzwüste entsteht das größte Kraftwerk der Welt – es soll 100-prozentig grünen Ökostrom liefern.
    Mitten in einer westindischen Salzwüste entsteht das größte Kraftwerk der Welt – es soll 100-prozentig grünen Ökostrom liefern.
    PUNIT PARANJPE / AFP / picturedesk.com

    Aktuell wird das indische Wirtschaftswachstum noch zum überwältigenden Teil aus fossilen Energieträgern befeuert, Kohle-Strom macht alleine 70 Prozent des Energie-Mixes aus. Auf lange Sicht kann sich Indien das aber nicht leisten, weshalb auch Premierminister Narenda Modi massiv auf Erneuerbare setzt. Schon bis 2030 soll der halbe Stromverbrauch des Landes durch Sonne, Wind und Wasser abgedeckt werden können.

    Abkehr von Fossilen unumgänglich

    "Indien hat keine andere Wahl, als jetzt die Dinge mit unvorstellbarer Größe und Skalierung anzugehen", betont auch AGEL-Chef Sagar Adani. Die Energiewende ist für ihn alternativlos. Der prognostizierte Wirtschaftsaufschwung Indiens auf dem Rücken von Öl, Kohle und Gas würde dem Weltklima den Rest geben, warnt er: "Wenn Indien tun würde, was China, Europa und die USA gemacht haben, dann stünde uns allen eine klimatisch sehr, sehr düstere Zukunft bevor."

    Bei allen grünen Bekenntnissen ist der Adani-Konzern aktuell weiter zweigleisig unterwegs. Eine vollständige Umstellung der Geschäfte auf Erneuerbare sei momentan noch keine Option, heißt es. Auch Premier Modi bremst beim kompletten Ausstieg. Erst 2070 – und damit deutlich später als andere Entwicklungsländer – will Indien wirklich völlig CO₂-neutral sein.

    Auf den Punkt gebracht

    • Ein Kohle-Milliardär plant, in Gujarat an der indisch-pakistanischen Grenze, den weltgrößten Ökostrom-Park zu bauen, der Ökostrom für 16 Millionen Haushalte liefern soll
    • Das Milliardenvermögen des Verantwortlichen stammt hauptsächlich aus dem Kohle-Import, aber das Unternehmen plant, 70 Prozent des Gewinns in den Ausbau erneuerbarer Energien zu investieren
    rcp
    Akt.